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Glücksrad und Gewinnspiel: Mechanik, die zieht, ohne rechtlich zu wackeln

Ein tägliches Glücksrad ist der stärkste Hebel für App-Öffnungen, den wir kennen. Wie Sie Gewinnwahrscheinlichkeiten kalkulieren und welche drei Fehler teuer werden.

Von allen Modulen, die wir ausrollen, verändert eines die Nutzungskurve am deutlichsten: das tägliche Glücksrad. Der Grund ist nicht der Gewinn. Er ist der Grund, überhaupt die App zu öffnen, wenn man gerade nichts kaufen will. Genau dieser Moment fehlt den meisten Loyalty-Apps.

Warum es funktioniert

Eine Loyalty-App wird typischerweise beim Bezahlen geöffnet. Das sind zwei bis fünf Momente im Monat. In diesen Momenten können Sie nichts erzählen, weil die Kundin an der Kasse steht und es eilig hat.

Ein tägliches Dreh-Recht dreht das um. Die App wird geöffnet, wenn Zeit ist. Und wer sie öffnet, sieht nebenbei das Angebot der Woche, den Punktestand, die neue Filiale. Der Umsatzeffekt entsteht nicht am Rad, sondern an allem, was drumherum sichtbar wird.

Die Kalkulation

Rechnen Sie von den Kosten her, nicht von der Gewinnchance.

Nehmen wir an, Sie haben 3.000 aktive Nutzer, von denen 25 Prozent täglich drehen. Das sind 750 Drehungen am Tag, rund 22.500 im Monat. Sie wollen dafür nicht mehr als 400 Euro Warenwert im Monat einsetzen. Das ergibt einen zulässigen Erwartungswert von unter zwei Cent pro Drehung.

Eine Verteilung, die das trifft und sich trotzdem gut anfühlt:

SegmentWahrscheinlichkeitWertKosten je Drehung
Kein Gewinn, 5 Bonuspunkte70 %~0,05 €0,035 €
Kleiner Sofortgewinn (Kaffee, Gebäck)8 %1,50 €0,12 €
Gutschein 5 € ab 30 € Einkauf2 %1,00 € effektiv0,02 €
Hauptpreis, monatlich0,01 %200 €0,02 €

Wichtig ist die dritte Zeile. Ein Gutschein mit Mindestumsatz kostet Sie nicht seinen Nennwert, sondern die Marge darauf — und er bringt einen Besuch, der sonst nicht stattgefunden hätte. Solche Preise dürfen ruhig häufiger fallen als echte Warenpreise.

Und die erste Zeile ist keine Verlegenheitslösung. Wer 70 Prozent Nieten einbaut, ohne dass etwas passiert, verliert die Leute nach vier Tagen. Wer stattdessen immer etwas gibt, und sei es eine Handvoll Punkte, hält die Gewohnheit am Leben. Es gibt keine Niete, es gibt nur unterschiedlich große Gewinne.

Drei Fehler, die teuer werden

Der Hauptpreis ist zu groß. Ein iPhone zieht Teilnehmer an, die nur den Hauptpreis wollen und nach der Ziehung nie wiederkommen. Sie zahlen für Reichweite, die keinen Wert hat. Mehrere mittlere Preise binden deutlich besser als ein großer.

Der Gewinn ist zu umständlich einzulösen. Wenn der Kaffee nur montags zwischen 14 und 16 Uhr an Kasse 2 herausgegeben wird, ist das kein Gewinn, sondern eine Hürde. Was gewonnen wurde, muss beim nächsten Besuch ohne Erklärung eingelöst werden können.

Die Teilnahme wird an einen Kauf gekoppelt. Rechtlich ist das der heikelste Punkt, und praktisch bringt es nichts. Ein Rad, an dem alle drehen dürfen, wird häufiger geöffnet — und der Umsatz entsteht ohnehin über die Sichtbarkeit, nicht über die Kopplung.

Der rechtliche Rahmen in Kürze

Ein Glücksrad mit kleinen Sachpreisen ist ein Gewinnspiel, kein Glücksspiel — solange kein Einsatz verlangt wird. Genau deshalb ist die Kopplung an einen Kauf nicht nur unelegant, sondern der Punkt, an dem die Einordnung kippen kann.

Was Sie brauchen: Teilnahmebedingungen, die in der App erreichbar sind und Teilnahmeberechtigung, Zeitraum, Preise, Gewinnermittlung und Auszahlungsausschluss regeln. Bei Preisen mit Altersbezug, etwa Alkohol, eine Altersprüfung. Und eine Aufbewahrung der Gewinnzuordnung, damit im Streitfall nachvollziehbar ist, wer wann was gewonnen hat.

Nicht enthalten sein sollten: automatische Newsletter-Anmeldung als Teilnahmebedingung, Weitergabe der Daten an Dritte, und Preise, die dem Heilmittelwerbegesetz oder dem Jugendschutz zuwiderlaufen.

Auch hier gilt: Das ist Praxiseinordnung, keine Rechtsberatung. Lassen Sie die Teilnahmebedingungen einmal prüfen, dann laufen sie jahrelang.

Wann es sich nicht lohnt

Bei sehr niedriger Besuchsfrequenz. Wer im Schnitt zweimal im Jahr kommt, etwa ein Möbelhaus oder ein Kfz-Betrieb, hat von täglicher Gewohnheit wenig. Dort wirken saisonale Aktionskalender besser als ein tägliches Rad.

Mehr dazu, wie Sie das aufsetzen, im Gespräch mit Bary.

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